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Die (nicht ganz ernst gemeinten) Gebote für den Chorsänger

1. Du sollst aus dem Chor herauszuhören sein, weil deine Stimme die beste ist. Wenn alle leise singen, singe du wenigstens laut! Vergiss nicht: Das p in den Noten bedeutet „prüllen”, pp heisst „pesonders prüllen” und ppp ist mit „pesonders prutal prüllen” zu übersetzen, ganz egal, was der Chorleiter dazu meint.

 

2. Wenn hingegen alle laut singen, ist es völlig unnötig, daß du dich noch beim Singen beteiligst. Am besten hörst du dann ganz auf. Denn auch hier irrt der Chorleiter meistens: Wenn in den Noten f steht, ist damit „flüstern” gemeint, ff bedeutet „forsichtig flüstern”.

 

3. Du brauchst beim Singen nicht den Mund aufzumachen; das wäre unvornehm. Bewege den Mund beim Singen am besten überhaupt nicht, da dies die Aussprache wesentlich verbessert.

 

4. Es darf jeder sehen, dass Singen Arbeit ist und keinen Spass macht. Mache daher beim Singen ein finsteres und grimmiges Gesicht. Vor allem heitere Lieder kommen dann viel besser zur Geltung.

 

5. Die Chorproben sind nur für Minderbegabte; diese hast du nicht nötig. Fehle daher öfters einmal und komme höchstens ein oder zwei Wochen vor der Aufführung gelegentlich zur Chorprobe. Wenn du dann kommst, dann komme wenigstens zu spät, da man hieran deine Genialität erkennt.

 

6. Was in den Noten steht, ist nur eine unverbindliche Empfehlung. Du hast Anspruch auf deine eigene Version, welche viel besser ist als die Version oft schon längst verstorbener Komponisten. Der Zwang, sich an die Noten zu halten, würde sowieso gegen Artikel 2 des Grundgesetzes („Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit ...”) verstossen.

 

7. Die Anweisungen und Erklärungen des Chorleiters gelten natürlich nur für die anderen. Du weißt das schon lange viel besser. Dies solltest du durch Gebärden und halblaute Bemerkungen zum Ausdruck bringen. Sollte sich der Chorleiter hierüber beschweren, weise ihn auch hier auf Artikel 2 des Grundgesetzes hin.

 

8. Die Pflege der Notenhefte geht dich zwar nichts an; dies ist Sache des Notenwartes. Allerdings lässt sich die Lebensdauer der Hefte erheblich erhöhen, wenn du den Deckel nach hinten klappst, die Blätter knickst und rollst und das Ganze ab und zu fallen lässt. Eintragungen in die Notenhefte sind dauerhafter, wenn sie nicht mit Bleistift, sondern mit Füller oder Kugelschreiber vorgenommen werden.

 

9. Versäume keine Gelegenheit, dich mit dem Nachbarn zu unterhalten. Wie willst du sonst zu wichtigen Informationen kommen? Die Zeit nach der Chorprobe ist zum Austausch doch viel zu kurz! Außerdem belebt dies die Chorprobe und ermöglicht ein viel konzentrierteres Üben.

 

10. Achte gut darauf, dass deine Leistungen gebührend anerkannt werden. Solltest du einmal nicht lobend erwähnt werden, räche dich, indem du die nächsten 10 Singstunden überhaupt nicht mehr kommst.

 

11. Übe oft und deutlich Kritik. Zum einen bemerkt sonst keiner deine Überlegenheit, zum anderen macht die Chorprobe dann allen viel mehr Spaß.

 

12. Vor dem Chor steht ein Typ, der in der Luft wedelt. Hiervon wird einem nur schwindlig; am besten schaust du gar nicht erst hin. Das Gewedel hat sowieso keine besondere Bedeutung.

 

13. Teile dem Chorleiter - vor allem bei kleinen Chören - frühestens einen Tag vor der Aufführung mit, dass du beim Auftritt verhindert bist. Länger kann er sich das ja doch nicht merken; was soll also das Gerede von der Vorausplanung.

 

14. Das Klavier ist ein ziemlich unnützes Möbelstück; es eignet sich nur dazu, Biergläser darauf abzustellen. Die entstehenden Wasserflecken lockern das Erscheinungsbild ungemein auf. Wenn das Glas umfällt, wird der Klang des Klavieres deutlich verbessert.

 

15. Vergiss nie, dass es ein besonderes Entgegenkommen ist, dass du überhaupt mitsingst.